Die spielen doch nur…

Ein kurzer Einblick in ein viel diskutiertes Berufsfeld

In den letzten Monaten waren die pädagogischen Berufe durch die wochenlangen Streiks der pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in aller Munde. Die Öffentlichkeit fragte sich: Was machen Erzieher und Erzieherinnen eigentlich während ihrer Arbeit? Einige Kommentare im Internet klangen so: Erzieher und Erzieherinnen sollten ihre Arbeit nicht mit der am Hochofen vergleichen – die spielen doch nur ein bisschen.

Wer einmal in einem Kindergarten – egal ob kleine oder große Einrichtung – einen ganzen Tag hospitiert hat, weiß, was das pädagogische Team tagtäglich leistet. Fangen wir mit dem Morgen an: Von gestressten Eltern, die auf dem Weg zur Arbeit sind, Kinder entgegen nehmen, die „noch nicht richtig gefrühstückt haben!“, Kinder trösten, die nicht in den Kindergarten gehen wollten, zuhören, vorlesen… Ganz normal. Die großen, erfahrenen Kinder wissen, wie sie ihren Alltag beginnen. Sie bauen z.B. mit Bauklötzen oder Duplos, Türme stürzen um, es klappert, scheppert, kreischt etc. Wie gut, dass es verschiedene Räume gibt, einige der Erwachsenen können sich so um die Kinder kümmern, die Redebedarf haben oder einfach nur noch ein wenig kuscheln wollen.

Wichtig für jeden, der diesen Beruf ausüben möchte, ist die Fähigkeit, viele Dinge auf einmal zu tun: zuhören, andere Kinder im Auge behalten, Saft eingießen, Unfälle verhindern, Streit schlichten oder zur Streitlösung beitragen, Eltern begrüßen oder verabschieden, Umgang mit Stiften, Malfarben oder Scheren üben, Regeln im Kindergartenalltag gemeinsam mit den Kindern diskutieren und auf/ oder umstellen (- das nennt man Partizipation -) usw.

Natürlich ist Wissensvermittlung wichtig. Also gibt es Angebote zum Thema Wasser, oder Tiere in Afrika, Familie, Verkehrserziehung und andere, dem Alter der entsprechenden Kinder angepasst. Aber vor allem steht die alltagsintegrierte Sprache der Kinder, auf die jeder Mitarbeiter sein Augenmerk richtet.

Wir wissen, in der heutigen Arbeitswelt sind Eltern auf einen Kindergarten angewiesen, der nicht nur das „Spielen“ anbietet, Regelverhalten und Umgang mit dem Nächsten ist eine wichtige Aufgabe, die auch von Schulen gefordert wird. Integration von ausländischen Kindern, die eine angstvolle und zum Teil auch gefährliche Flucht hinter sich haben, all das sollen die pädagogischen Fachkräfte in den Tagesstätten leisten – das fordern Träger der Einrichtungen und auch die Politik. Doch dass ein Erfolg hier nur durch ein Miteinander von Kindertagesstätte, Eltern und Träger sowie Politik erzielt werden kann, ist selbstverständlich.

Und das macht eben den Unterschied aus zwischen der Arbeit am Hochofen und der Arbeit mit Kindern in der Tagesstätte: Dem Eisen ist es egal, wer es wie formt. Aber Kinder sind darauf angewiesen, dass alle in einer gemeinsamen Anstrengung das Beste für sie und ihre Zukunft wollen.

Trotz Krach, Hektik und Unvorhergesehenem!

Also, liebe Betroffenen, fangen wir jeden Tag aufs Neue an und versuchen alles so gut es geht „unter einen Hut“ zu bringen!

Ursula Brandis, Kindergartenleiterin im Ev.-luth. Kindergarten St. Andreas Groß Lobke Algermissener Gemeindebote 7/16